AN OPEN LETTER TO HIPHOP
Lieber HipHop,
Wie du weißt, bin ich seit vielen Jahren dein treuer Freund und habe dabei versucht nicht nur den Kontakt zu dir nicht abbrechen zu lassen, sondern wollte auch immer andere Leute für dich und deine Kunst begeistern. Leider komme ich in letzter Zeit etwas ins Grübeln, weil es mir so vorkommt, dass sich keiner mehr wirklich für dich interessiert. Ich kann mich noch erinnern als du fast jede Woche bei einem Jam oder irgendeiner Party gefeiert wurdest und überall auf Händen getragen wurdest. Heutzutage ist davon irgendwie nicht mehr viel übrig geblieben, und obwohl jeder zweite mit einem XXXL T-Shirt, Plastikketten, und einer NBA Patch-Hose abstylt, ist das Interesse an dir und deiner Musik scheinbar völlig verloren gegangen. Einer deiner größten Soldaten namens Nas hat sogar schon behauptet, dass du tot bist, was ich ihm aber nicht glauben will. Ich befürchte aber, dass du zumindest sehr krank bist und deshalb dringend Hilfe brauchst. Leider habe ich noch kein Heilmittel für dein Leiden gefunden und denke auch, dass dir ein kleiner drittklassiger DJ alleine nicht helfen kann. Ich versuche zwar immer wieder in Abständen das „Partyvolk“ für dich zu gewinnen, aber dabei stoße ich meist nur auf taube Ohren oder Unverständnis. OK, ich gebe zu, dass manche Leute deine kommerzielle Seite schon noch ganz lustig finden, auch wenn ihre Toleranz nur selten über Vanilla Ice und MC Hammer hinausgeht. Ich kann aber nicht glauben, dass diese Krankheit durch deinen Output ausgelöst wurde, denn obwohl viele schreckliche Vertreter von dir rumlaufen und dich durch den Dreck ziehen, gibt es auch noch Künstler, die wirklich sehr gute Musik von dir produzieren. Ganz ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht woran es letztendlich liegt; ob MTV, Handyklingelton-Werbung, Aggro Berlin oder wieder die Klimaerwärmung daran schuld ist. Wahrscheinlich ist es einfach nur das Rad der Zeit, welches den allgemeinen Geschmack alle paar Jahre zur nächsten Musikrichtung weiterdreht. Komisch ist für mich an der ganzen Sache nur, dass du bei der Jugend, den Medien und der Kleidung so präsent und akzeptiert bist wie noch nie, aber in der Öffentlichkeit nur noch für Leute wie 50 Cent, The Game oder Sido bekannt bist. Richtig bewusst ist mir der Ernst deiner Lage am vergangenen Samstag geworden, als ich dich mal wieder in einer kleinen Kneipe aufgelegt habe und ein Haufen an Mini-Bushidos sich lieber nebenan gongfm-Mucke angehört hat als dich kennen zu lernen.
Aber eigentlich ist das alles auch egal, weil Legenden sterben sowieso nie und wenn ich dich nächste Woche auf dem WU Tang Konzert in Prag wieder treffe, dann wird eh wieder alles gut und wir werden zusammen feiern wie früher. 93’ till infinity!
Dein Freund
Didi aka DJ Budacrizz
